Grußwort des Landrates

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Ershausen,

fragt man nach dem Wesen der gemeindlichen Jubiläumsfeiern, so führt der Blick der Gedanken schnell zur eigenen Gegenwart, um sich selbst in einem größeren Ganzen zu erfahren. Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehören wir - Fragen, die uns zeitlebens beschäftigen, werden im Brennglas der Geschichte griffiger, geben Sicherheit und schaffen ein Gefühl von „Heimat", welche viele suchen und längst nicht mehr alle finden.

Als Bürgerinnen und Bürger von Ershausen haben Sie sich aufgemacht, sich über Ihre Zugehörigkeit zu Ort und Landschaft im Horizont der 750-jährigen verbürgten Geschichte des Heimatdorfes Ihrer eigenen Identität vertiefter zu vergewissern. Zugehörigkeit zum Bischofsstein, zum Erzbistum Mainz, zum Geschlecht derer von Hanstein, Sitz eines Erzpriesters / Dechanten, Heiligenstädter Kollegiatstift „St. Martin", St. Johannes Stift, Verwaltungs-, Schul- und Zentralort, Eichsfeld und Landkreis - das sind nur einige Stichworte, die es zu bedenken gilt. Mit alle dem haben Sie Berührung, nicht nur allein, sondern in einer Gemeinschaft, welche Sie zur Gemeinde macht. In und mit dieser Gemeinde bewegen Sie sich in verändernden Strukturen von Politik und Staat, im Auf und Nieder der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie im Austausch der sich überschneidenden Grenzräume von Hessen, Thüringen und Niedersachsen.

Ein so weiter Blick macht deutlich, dass die Gemeinde viel mehr ist, als sie die jeweilige staatliche Organisationseinheit beschreibt. Gemeinde ist das Miteinander von Nachbarn, welche ebenso konkret wie zuweilen auch recht eigenwillig den Ausgleich zwischen eigenen und gemeinschaftlichen Interessen regeln müssen. Man ist und bleibt aufeinander angewiesen. Vieles kann nur die Gemeinde regeln. Wenn sie das nicht tut, dann kommt niemand, um Abhilfe zu schaffen. Auch das sind Gründe, weshalb man sich innerhalb der Gemeinde nicht über Gebühr voneinander entfernen und die Kraft für den ständig aufs Neue zu schaffenden Ausgleich behalten sollte. Für den Landkreis wünsche ich mir eben diese Verzahnung im entsprechend erweiterten Sinne.

So wünsche ich Ihnen von Herzen eine frohe Feier Ihrer Gemeinsamkeiten in der alle miteinander verbindenden Geschichte Ihres Dorfes. Vergewissern Sie sich der darin aufgehobenen bleibenden Werte. Schreiben Sie deren Inhalte zeitgemäß fort, doch reduzieren Sie nichts von dem nur auf die äußere Form. Ohne Substanz ist alles nur Fassade. Heimat ist mehr - ist sinnstiftendes Leben in gelebter und wohltuender Kultur. All das besitzen Sie zum Erhalt und zur Weitergabe.

Landrat des Landreis Eichsfeld

Dr. Werner Henning